„Nachwuchsförderung, wie wir sie uns vorstellen“

Joscho Stephan und Ralf Dombrowski halten einen Workshop für Schülerinnen und Schüler des Albert-Schweitzer-Gymnasiums

Wenige Stunden vor dem Konzert, das Joscho Stephan (Gitarre) zusammen mit Olivier Holland (Kontrabass) am 4. Oktober im Hürther Jazzkeller gab, hielt Stephan in der Aula des Albert-Schweitzer-Gymnasiums auf der Sudetenstraße einen Vortrag zum Thema Gypsy-Swing. Über 60 Schülerinnen und Schüler der Klassen 10 und 11 hatten sich eingefunden, um den Ausführungen Joscho Stephans und des  Musikjournalisten Ralf Dombrowski über Django Reinhardt, Begründer des Gypsy-Swings, zu lauschen.

Zusammen mit Musiklehrerin Martina Zöllner, die Ausschnitte aus der Radioreportage «Jazz, Swing und Pferdewagen» (Dieter Hanning) von 2005 einspielte, führten die beiden Experten nicht nur in das bewege Leben der Gypsy-Swing-Legende ein, sondern skizzierten auch die Besonderheiten des von Reinhardt begründeten Jazz-Stils. Da alle Theorie grau ist, ließ es sich Joscho Stephan nicht nehmen, die Erläuterungen auch mit Musikbespielen zu illustrieren. Dem rasanten Spiel des Gitarristen lauschten auch die Schüler, die sonst wohl eher wenig Berührung mit dieser Art von Musik haben, sichtlich beeindruckt.

Nach dem Ende des Vortrags setzten sich zehn Schülerinnen und Schüler mit Joscho Stephan auf die Bühne der Aula, um gemeinsam in einem Worksshop Django Reinhardts «Minor Swing» einzustudieren. Bevor Stephan sich mit den Schülern an Reinhardts Stück wagte, führte er sympathisch in die harmonischen Grundlagen der Komposition ein und erläuterte deren Aufbau: „Es ist ziemlich interessant, dass eine von Djangos bekanntesten Nummern keine Melodie hat“, stellte er fest. „Im Grunde besteht der «Minor Swing» aus einem Intro und einem Outro – dazwischen geht es direkt an die Improvisation.“ Entsprechend intensiv ging Stephan im Laufe des Workshops auf das Thema Improvisation ein. Während Schlagzeug, E-Bass und Gitarrengruppe für das rhythmische Fundament sorgten, waren es Klarinette, Saxofon, Klavier und Geige, die sich im Improvisieren üben durften. Und das klang rasch überraschend gut.

Stephan zeigte sich beeindruckt und ermutigte die Schüler dazu, ihre eigenen Hörerfahrungen einzubringen: „Wir können heute unmöglich unbelastet an die Musik von Django Reinhardt gehen. Wir haben so viel Musik gehört, die es zu Djangos Zeiten nicht gab, wir leben einfach in einer völlig anderen Welt.“ Darüber hinaus verriet er den Schülern augenzwinkernd auch ein paar Tricks für zukünftige Auftritte: „Wenn sich große Musiker auf der Bühne beim Improvisieren verspielen, dann wiederholen sie den Fehler einfach. Da denkt jeder automatisch, das war beabsichtigt.“

Am Ende des Workshops war Stephan so zufrieden mit dem Ergebnis, dass er gerne einwilligte, die Schüler am Abend bei seinem Konzert als Eröffnungsnummer spielen zu lassen. Günter Reiners, Vorsitzender des Jazzclubs, freute sich darüber: „Als Joscho Stephan ein junger 17-jähriger Nachwuchskünstler war, luden wir ihn dazu ein, in unserem Jazzkeller Gypsy-Swing zu spielen, weil wir sein Potenzial erkannt hatten. Heute ist er ein anerkannter Star und wir sind sehr stolz darauf, dass Joscho uns nach all den Jahren die Treue hält und mit einem Workshop, wie er heute stattgefunden hat, auch etwas davon an die neue Generation weitergeben möchte. Das ist Nachwuchsförderung, wie wir sie uns vorstellen.“

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